Die Zinsentwicklung von spanischen Staatsanleihen wird immer besorgniserregender. Aktuell rentieren Zehnjahrespapiere bei 7,03 Prozent und sind damit um 0,7 Prozent höher als am Vortag. Analysten reiben sich die Augen. Trotz des positiven Börsenumfelds weiten sich die Risikokaufschläge aus. Was passiert, wenn sich die gute Stimmung den Aktienmärkten verflüchtigt. Steigen die Zinsen von Spaniens Schuldtiteln dann auf 8, 9 oder gar 10 Prozent?
Internationale Investoren kaufen schon lange nicht mehr spanische Schuldtitel. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist auch nicht gewillt, ihr Ankaufsprogramm wieder aufzunehmen. Besonders zu denken geben dürfte der spanischen Regierung, die Zinsentwicklung im Vergleich zu Italien. Im Stiefelland fallen die Renditen für Schuldtitel mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf 5,99 Prozent.
Die Italiener lassen sich nicht länger von den Spaniern anstecken. Ministerpräsident Mariano Rajoy kündigte in der vergangenen Woche ein Sparpaket in Höhe von 65 Milliarden Euro an. Nun berichtet die Zeitung „El Pais“, dass die Einsparungen um 8,6 Milliarden Euro geringer ausfielen. Es ist nicht das erste Mal, dass Rajoy probierte die Finanzmärkte, seine potentiellen Gläubiger, hinters Licht zu führen.
Monatelang versuchte die spanische Regierung die Probleme des spanischen Sparkassensektors zu verschleiern und herunter zu spielen. Schließlich platzte die „Bankia-Bombe“. Anfang des Jahres versprach er, das Haushaltsdefizit 2013 „auf jeden Fall“ und „unter allen Umständen“ unter drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) senken würde. Dieses Ziel wurde vor wenigen Wochen auf 2014 verlegt.
Seinen Wählern hat Rajoy alles andere als reinen Wein eingeschenkt. Entgegen seinen Wahlversprechen musste er die Mehrwertsteuer erhöhen. Wenn in Nordeuropa ein Regierungschef so kläglich scheitert und das Vertrauen bei der Bevölkerung und den europäischen Partnern komplett verspielt hat, wird es in der Regel Zeit für einen Rücktritt.